Die Wahrheit über Kinder Kung Fu
I."Hauptsache dem Kleinen macht es Spaß .... "
...hörte ich kürzlich bei einem externen Selbstverteidigungskurs für Kinder von einigen der anwesenden Mütter und Väter mit strahlendem Gesichtsausdruck. Glücklich und zufrieden waren sie, während sie zusahen, wie ihre Kinder mit Freude auf Kommando erneut das Bein heben durften. Als dann noch ein Dreh- und Ausweichspiel zum Einsatz kam, erreichte die familiäre Fröhlichkeit ihren Höhepunkt. Ach wie niedlich.
So lange Eltern nur nach dem reinen Spaßfaktor über den weiteren Verbleib des Kindes in einer guten Kung Fu - Schule entscheiden, so lange wird auch weiterhin die Tradition des Kung Fu regelrecht vergewaltigt.
Die Wahrheit ist doch, dass in diesen spielerischen Gruppen das normale Kinderturnen mit diversen einfachen Selbstverteidigungselementen vermischt und dann dauerhaft unter dem Label KINDER - KUNG FU angepriesen wird. Funktionierende Selbstverteidigung mit Aussicht auf Erfolg "spielerisch" erlernen zu können gehört meiner Meinung nach in die Fantasiewelt und grenzt an Betrug, auch wenn sich das für interessierte Eltern noch so gut anhört.
Es wäre für unsere Schule mehr als peinlich, wenn, nach vielleicht 10 Monaten Ausbildungszeit, ein Kind zeigen soll was es gelernt hat und nur mit einer Vielzahl an Spielvarianten, sowie ein paar weniger Kung Fu ähnlichen Bewegungen aufwarten kann. Liebe Eltern, Spaß ist nicht gleich zu setzen mit Begeisterung.
GLAUBEN HEISST NICHT WISSEN !
Durch das Erlernen (verstehen lernen), das nachfolgende Üben (automatisieren von Bewegungsabläufen) und schließlich das Trainieren (Anwendung mittels Partnerübungen), wissen unsere ausgebildeten Kinder was sie wirklich können, und was nicht. Sie glauben nicht, dass sie etwas können; sie wissen es.Dieser mentale Zustand ruft bei Kindern ein selbstbewußteres Auftreten hervor. Hinzu kommt, dass durch die damit verbundene Wertschätzung der eigenen Selbstverteidigungsleistung des Kindes, Gewaltkonflikte überdurchschnittlich souverän vermieden werden können.
Seit 1986 unterrichte ich Kinder in den asiatischen Kampfkünsten. Heute kann ich mit Stolz sagen, dass noch nie eine Schülerin oder ein Schüler, irgendwann und irgendwo, durch Gewaltbereitschaft unangenehm aufgefallen ist. Und ich werde weiterhin peinlichst genau darauf achten, dass sich dies nicht ändert.
Dies ist die Wahrheit über die Kampfkunstausbildung für Kinder. Doch übernehmen Sie nicht einfach nur unsere Meinung. Wir laden Sie ein, für sich selbst - für Ihr Kind - die Wahrheit eigenständig heraus zu finden.
und schöne Worte sind nicht wahr!
Sifu Gregor Eichenauer
(August 2008)