Wing Chun Kung Fu



Die Kampfkunst

Wing Chun ist kein Sport, sondern ein Kampfsystem ohne Regeln. Damit bietet es auch gerade heute eine auf den Ernstfall bezogene, kompromisslose Form der Selbstverteidigung.

Im Wing Chun wurden alle Techniken auf ihre Wirksamkeit hin optimiert. Die Bewegungen sind meist kurz und gerade. In der Regel wird kaum Muskelkraft benötigt, sondern die Elastizität des eigenen Bewegungsapparat genutzt. Die Kraft des Gegners wird durch Schritttechniken und Wendungen neutralisiert und gegen ihn verwendet. Dadurch entwickelt sich eine Synchronisation von Verteidigung und Angriff. Der Angriff ist die Verteidigung.

Weiterhin ist für das Wing Chun Kampfsystem die Trittarbeit charakteristisch. Wing Chun umfasst nur wenige Grundtritte welche meist niedrige Ziele, wie Kniegelenk und Hüfte attackieren. Wegen dem geringen Aufwand an eigener Körperkraft und der tiefen Tritte ist Wing Chun von beiden Geschlechtern und in jedem Alter erlernbar.

Unterricht und Vorraussetzung

Der Unterricht im Wing Chun ist von Partnerübungen dominiert, bei dem die Trainingspartner bestimmte Bewegungsmuster eines Kampfes wiederholen. Je nach Erfahrung der Übenden variiert dabei Geschwindigkeit, Intensität wie auch Komplexität der Übungen bis hin zum Freikampf/Sparring. Ziel dieser Übungen ist es, den Lernenden durch langsame und sich oft wiederholende Bewegungsabläufe bestimmte Bewegungsmuster einzuschleifen, die im Ernstfall unbewusst abgerufen werden können


Wing Chun ist für Dich geeignet, wenn du auf der Suche nach einem effektiven Kampfsystem sind das Spaß macht, dich fit hält (oder fit macht ) und das dir erlaubt die Opferrolle des heutigen Menschen in einer immer aggressiveren und Gewalt bereiteren Gesellschaft abzulegen.



Was es bei uns nicht gibt

Missgunst, Neid, Misstrauen, wilde Prügeleien, militärische Unterrichtsformen, unrealistische Techniken, Kampfschreie und akrobatische Tritte.


Die Meister und der Stil

Da Wing Chun immer allen anderen Kung Fu Stilen überlegen war, wurde es über die Jahrhunderte hinweg, wie ein Erbstück, nur an wenige ausgewählte Schüler/innen weitergegeben. Erst Bruce Lee durchbrach diese Tradition und gab sein Wissen in für jedermann offenen Lehrgängen in Amerika weiter.


Chi Sao - Die klebenden Hände

Eine weitere Besonderheit des Wing Chun ist das Chi Sao Training. Chi Sao bedeutet „Klebende Hände“ und bezeichnet eine Trainingseinheit in der die Unterarme des Schülers dahingehend sensibilisiert werden minimale Druckveränderungen des Gegners wahrzunehmen und reflexartig darauf zu reagieren. Diese Fähigkeit ist besonders im extremen Nahkampf (In-Fight-Distanz; Grappling-Distanz) von Vorteil, da auf so engem Raum das menschliche Auge kaum noch in der Lage ist schnelle Bewegungen wahrzunehmen. Hierbei wird sich die schnellere „Datenverarbeitung“ des vegetativen Nervensystems zu nutze gemacht. Ein Beispiel, wenn ihnen zu Hause eine Tasse vom Tisch fällt, werden sie nicht bewusst nachdenken: „Wenn die Tasse auf den Boden fällt, geht sie wahrscheinlich kaputt, dann muss ich die Scherben wegräumen und ich habe eine Tasse weniger. Also ist es besser sie zu fangen.“ Sie reagieren intuitiv, greifen einfach zu und haben die Tasse auch meist sicher gefangen.

Die Entstehungslegende

Zur Entstehungsgeschichte des Wing Chun bestehen mehrere Theorien, die heute auf Grund fehlender Aufzeichnungen nicht mehr eindeutig überprüft werden können. Deshalb soll hier nur die am weitesten verbreitete „Legende“ erzählt sein.
Wing Chun geht wahrscheinlich auf die buddhistische Nonne Ng Mui zurück. Sie hatte es sich zur Aufgabe gemacht eine Kampfkunst zu entwickeln, die es ermöglicht als körperlich Unterlegener gegen stärke Gegner zu bestehen. Daher wurden nur die effektivsten Techniken und Trainingsprinzipien der bis dahin bekannten Kung Fu Stile verwendet. Maßgeblich für die Auswahl der Techniken war stets die Bedingung, dass die Kämpfer auch gegen größere und kräftigere Gegner siegreich sein konnten.
Während der Qing-Dynastie (1662-1722) beschloss der damalige Kaiser Kangxi das südchinesische Shaolinkloster anzugreifen und die Mönche zu töten. Diese waren auf Grund ihrer Kampfkunst so berühmt, dass der Kaiser um seinen Einfluss bangte. Der Angriff gelang auf Grund des Kollaborateurs Ma Ning Ye, der das Kloster von innen anzündete. Dabei kamen die meisten Klosterbewohner ums Leben. Die Meister Ng Mui, Chi Sim, Pak Mei, Fung To Tak und Meister Miu Hin konnten entkommen. Sie waren die Führer der fünf Shaolinstile und wurden die „Fünf Älteren“ genannt.
Nach der Zerstörung des Klosters trennten sie die fünf Meister, um einer Entdeckung der Manchu-Regierung zu entgehen.
Die Nonne Ng Mui ließ sich im Weißer-Kranich-Tempel am Tai-Leung-Berg nieder, um sich dort ihrer Kampfkunst zu widmen. Ng Mui war Stammkundin des im nahmen Dorfs ansässigen Tofuhändlers Yim Lee. Lee´s Tochter Yim Wing Chun zog den als Schläger bekannten Wong derart an, dass er um ihre Hand anhielt und mit Gewalt drohte, wenn sie nicht einwillige. Yim Wing Chun war aber schon als kleines Mädchen Leung Bok Chau, einem Salzkaufmann aus Fukien versprochen worden. Ng Mui erkannte den Konflikt in dem sich das junge Mädchen befand, da sie aber ihre wahre Identität nicht preisgeben konnte und als Meisterin den Kampf gegen den Dorfschläger Wong als unehrenhaft ansah, nahm sie Yim Wing Chun als Schülerin auf und lehrte ihr die neue Kampkunst. Nach drei Jahren Privattraining hatte Yim Wing Chun das Kampfsystem gemeistert. Als sie wieder zu ihrem Vater zurückkehrte, wurde sie erneut von Wong bedrängt. Diesmal forderte sie ihn zum Kampf. Siegesgewiss willigte Wong ein. Er war Yim Wing Chun im Zweikampf nicht gewachsen und verlor den Kampf.